Auf Metalldetektorsuche im Wasseramt: «Es geht nicht um Nervenkitzel, sondern um Detektivarbeit»
Die Metalldetektorsuche ist ein exklusives Hobby. Denn nur wenige haben im Kanton Solothurn eine Bewilligung dafür. Wir begleiten einen erfahrenen Sucher auf den Spuren der Römer.

In einem Wald bei Deitingen knacken die Äste unter unseren Füssen, während wir durch das Gehölz streifen. Ab und zu gibt der Metalldetektor von Jonas Rieder aus Wangen an der Aare ein tiefes Piepen von sich. «Schon wieder Eisen», sagt er und sucht weiter. In diesem Wald habe er bereits einige kleine «Schätze» gefunden.
Bei unserer Suche ist auch Christoph Lötscher von der solothurnerischen Kantonsarchäologie dabei. An einem sonnigen Samstag geben sie Einblick in ein exklusives Hobby geben, das zugleich nervenaufreibend und frustrierend sein kann: das Sondeln.
Lötscher kennt die Sondler-Szene: Denn ohne Bewilligung und Regierungsratsbeschluss darf sich im Kanton keiner auf die Suche nach historischen Artefakten machen. Und der Andrang ist gross: Die Kantonsarchäologie wird mit Anfragen förmlich überrannt. Freie Plätze für ehrenamtliche Sucher seien weithin keine in Sicht.
Ein Quietschen ertönt im Wald
Der gelernte Forstwart Jonas Rieder gehört zu den Auserlesenen, die eine Bewilligung für die Suche mit dem Metalldetektor haben. Doch die Auflagen sind streng: Für eine Bewilligung braucht es einen Regierungsratsbeschluss. Zudem muss stets ein Fundmeldeformular ausgefüllt werden, und die Funde sind an Lötscher und sein Team zu übergeben. Denn alle archäologischen Funde gehören dem Kanton.

Beim Deitinger Fuchsloch stechen wir in den Wald. Gutes Schuhwerk ist dabei Plicht. Der Boden ist uneben und Äste geben beim Hinübergehen nach. Doch die Bedingungen seien heute optimal, erklärt Rieder. Der Boden ist feucht, was die Leitfähigkeit verstärke. Dadurch gebe der Metalldetektor ein besseres Signal. Zudem sei nicht mehr so viel Gestrüpp vorhanden, sodass man nahe am Boden suchen könne.

Nachdem er seinen Metalldetektor zusammengebaut hat, ertönt bereits nach wenigen Metern das erste, quietschende Signal. Rieder bückt sich und beginnt die Stelle mit dem Pingpointer, einem kleinen Handmetalldetektor, abzusuchen. So könne die Grösse des Objekts abgeschätzt werden.

Mit einer kleinen Handschaufel sticht er den Boden auf. Den Aushub untersucht er erneut mit dem Pingpointer. Mit wenigen Handgriffen hat er das Objekt der Begierde ausgemacht, einen eisernen Ring, wahrscheinlich die Überreste einer alten Blechdose.
Ein römischer Gutshof wurde wiederentdeckt
Ein Fehlschlag. Doch das Metallstück steckt er trotzdem ein und verschliesst das Loch. «So ist zumindest der Wald etwas aufgeräumter», sagt er. In über 95 Prozent der Fälle findet Rieder nur Abfall.
«Es ist erstaunlich, wie viel Müll in unseren Wäldern liegt.»
Das Gebiet habe er bereits viele Male untersucht. Doch immer wieder entdecke er neue Dinge. Nach dem Fund einiger römischer und keltischer Münzen sei ihm dort eine Ebene aufgefallen, die auf einen alten Weg deutete.

Später erklärte ihm ein Bauer aus der Region, dass dessen Vater den Weg noch genutzt habe. Und tatsächlich wird Rieder fündig: In einem Dokument aus dem 18. Jahrhundert wird ein römischer Gutshof in diesem Gebiet erwähnt. Dieser schien bereits vergessen, bis Rieder dessen Überreste wiederentdeckt hat.
Die Landschaft betrachten, wie sie früher aussah
Bei unserer Suche gelangen wir schliesslich zum Gutshof. Oder zumindest was davon übrig ist – ein Laie würde diesen niemals erkennen. Rechteckig erstreckt sich ein nur wenige Zentimeter hoher Wall über den Waldboden. Direkt unter dem Laub kommen römische Ziegel zum Vorschein.

Vor und hinter den Mauerüberresten spielt der Metalldetektor verrückt. Hier liegen Hunderte, knapp 2000 Jahre alte Nägel verstreut. Vor einiger Zeit fand Rieder hier auch eine Gewandfibel, eine kleine Schmucknadel, die einen Umhang zusammenhielt.

Hier zeigt sich eine Fähigkeit, die für den erfolgreichen Fund archäologischer Artefakte unerlässlich ist. Rieder sagt:
«Man muss die Landschaft lesen können. Man darf das Gebiet nicht betrachten, wie es heute aussieht, sondern wie es damals ausgesehen haben könnte.»
Die Nägel und Ziegel lassen wir liegen. Sie haben kaum archäologische Aussagekraft. Lötscher sagt: «Was wollen wir mit 1000 Nägeln anfangen, die alle gleich aussehen?»
Endlich ein richtiger Fund
Etwas weiter, wohl im Innern des Gutshofes, gibt der Detektor erneut an. Zum Vorschein kommt ein rechteckiges Metallstück. Rieder tippt auf ein Scharnier oder einen Beschlag einer Kiste. Dies ist ein Fund, den es zu analysieren lohnt.
Fein säuberlich, macht er ein Foto und bestimmt die aktuellen Koordinaten. Das Metallstück wird in eine Plastiktüte gelegt und anschliessend mit dem Fundmeldeformular an Lötscher und sein Team übergeben.
Ebendieses Rätseln sei es, das die Faszination für die Metalldetektorsuche ausmache. Wieso liegt es hier? Wer hat es verloren? Rieder reimt sich gerne die Geschichte eines Objektes zusammen und startet seine eigene Recherche. Die Aufregung und Hoffnung, auf einen Schatz zu stossen, seien gering. Rieder erklärt:
«Es geht nicht um Nervenkitzel, sondern um Detektivarbeit.»
Und wenn er an seine Grenzen stosse, sei die Arbeit von Lötscher gefragt, um das Rätsel zu lösen.
Etwas weiter vom Gutshof entfernt werden die Töne des Metalldetektors etwas höher. Das wäre gut, denn je höher der Ton, desto besser. Beispielsweise gibt Silber aufgrund seines Leitwertes einen höheren Ton ab als Eisen – doch wie sich später herausstellt, ist dies bei Blei und Alu ebenfalls der Fall. Es kommen Kronkorken, Blei-Kugeln vom nahe gelegenen Schiessstand, Verbissschütze für Tannenknospen aus Aluminium und immer wieder Eisennägel zum Vorschein.

Nachdem der grosse Fund ausblieb, ist die Suche für heute vorerst einmal vorbei. Mit nicht ganz leeren Taschen verlassen wir den Wald. Doch klar ist: Rieder war nicht das letzte Mal hier. Und auch Lötscher wird wohl noch weiteren Fundstücken aus diesem Gebiet begegnen.
-Ursprünglich publiziert in der Solothurner Zeitung vom 3. November 2022.






